Der frühe Vogel #165
Morgenstund …
«Sehr verehrte Damen und Herren, wir beginnen nun den Landeanflug. Wir bitten Sie, sich anzuschnallen, die Sitzlehnen senkrecht zu stellen …» Eine halbe Stunde später verlassen Onkel Hubert und Tante Emma das Flugzeug über die Gangway und sind froh, wieder festen Boden unter den Füssen zu haben. Nach der Passkontrolle und dem «Kampf am Karussell», sprich dem Förderband mit den Koffern, haben sie nach fünfmaligem Hin- und Hergehen auch ihren Transferbus gefunden und liegen zwei Stunden später am herrlichen Sandstrand der spanischen Mittelmeerküste.
Hubert wollte nicht ins Ausland, aber Emma war zum letzten Mal vor dreissig Jahren am Meer gewesen und hatte sich durchgesetzt. Es ist Nachmittag um zwei Uhr, das Thermometer bei der Strandbar zeigt 39 Grad. Sie beschliessen ins klimatisierte Zimmer zu gehen. Kaum eine Stunde ist vergangen, da kommt Emma auf die Idee, dass sie «lädelen» gehen möchte (Mundart für einkaufen oder Neudeutsch shoppen). Huberts Widerstand ist zwecklos, aber eine halbe Stunde später sind sie zurück im Hotel. «Diese faulen Spanier», schimpft Hubert, «mitten am Nachmittag ist alles geschlossen. Arbeiten die eigentlich nie!»
Liebe HEIMisch-Blog-Leserinnen und ‑Leser, Hubert und Emma sind wie üblich um 21 Uhr zu Bett gegangen und haben nicht mitbekommen, dass viele Geschäfte fast bis Mitternacht offen waren.
Und was hat das mit öko trend – gesund schlafen und natürlich wohnen – zu tun?
Nichts. Oder vielleicht doch?
«Morgenstund hat Gold im Mund», «Der frühe Vogel fängt den Wurm», «Wer zuerst kommt, mahlt zuerst» sind Redensarten nach Huberts Geschmack. Er hat sein Leben lang «gebügelt» (gearbeitet) und kennt nur seine Art zu leben und zu arbeiten. Wer es anders macht, ist faul: Der Informatiker, der erst nach neun Uhr ins Büro kommt. Die Lehrerin, die nachmittags um vier das Schulzimmer hinter sich abschliesst. Die Nachbarin, bei der die Storen erst mitten am Vormittag hochgehen. Für Hubert sind das alles Faulpelze. Weil er nicht weiss, dass der Informatiker bis in die Nacht hinein gearbeitet hat, die Lehrerin zu Hause noch bis um zehn Uhr abends Aufsätze korrigiert hat und die Nachbarin Spätschicht arbeitet.
Wichtig ist, zu wissen, wann man selbst produktiv ist und diese Zeit zu nutzen. Wir haben uns in den Beiträgen «Chronotypen» und «Zyklen aller Art» schon mit dieser Thematik befasst und zum Beispiel auf Eulen (abendaktiv – Spätaufsteher) und Lerchen (morgenaktiv – Frühaufsteher) hingewiesen.
Sind Frühaufsteher fleissiger als Langschläfer?
Bio-Rhythmus beachten
Spannend ist, dass es kein einziges Sprichwort, keine Redensart gibt – ich habe jedenfalls keine gefunden – die besagen, dass man abends oder nachts arbeiten solle. Das spiegelt die gesellschaftliche Erwartung, früh am Arbeitsplatz zu sein, widerspricht jedoch dem Bio-Rhythmus vieler Menschen. Und jetzt sind wir mitten im Thema gesund schlafen. Für eine gewisse Zeit kann ich meinen Bio-Rhythmus missachten, aber nicht für immer. Der Schlaf kann darunter leiden. Dann wird man Schlaftees trinken, Lavendelsäckchen aufhängen, meditieren, sich eine neue Matratze kaufen und irgendwann zur Schlaftablette greifen. Dabei müsste man die Ursache angehen und den eigenen Bio-Rhythmus beachten.
Ich weiss, das geht nicht immer. Aber zumindest öfter!
Und man darf sich ruhig auch ein wenig von gesellschaftlichen Erwartungen befreien. Wer auf Einkommen verzichtet, dafür ein geruhsameres Leben lebt, wird auch im 2026 manchmal schräg angeschaut. Und für Onkel Hubert wäre das die Definition von faul. Dabei führt ein geruhsameres Leben oft auch zu einem besseren Schlaf. Das wüssten wir eigentlich …
Ich möchte Ihnen deshalb zum Schluss folgende Redensart mitgeben: «Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf.» (Das stammt übrigens aus der Bibel!)
Nun freue ich mich, Sie in zwei Wochen zum HEIMisch-Blog Nummer 164 – «kuschelig oder kratzig» – wieder dabei zu haben.
Bis bald!
Ihr Bernhard Heim
Schlaf- und Wohnberater und Bio-Rhythmiker
Möchten Sie den HEIMisch-Blog auch in Zukunft erhalten?
Abonnieren Sie ganz einfach meinen Blog und Sie erhalten ihn zweiwöchentlich bequem ins elektronische Postfach geliefert.